Delmenhorst ist seit 1903 eine Stadt erster Klasse und somit eine kreisfreie Stadt. Die von der Delme durchflossene Stadt liegt im Oldenburger Land und hat eine lange Geschichte. In einer Urkunde wurde Delmenhorst 1254 erstmals genannt. 1651 wurde von Tuchmachern die erste Delmenhorster Zunft gegründet. Das führte dazu, dass sich in Delmenhorst viele Einwohner ansiedelten. Aus diesem Grund erwarb die Stadt im Jahre 1690 das Marktrecht. Später expandierte die Zigarren- und Korkindustrie und mit der Einweihung der Bahnstrecke Bremen-Oldenburg war Delmenhorst bis 1898 die größte Industriestadt zwischen Weser und Ems. Es wurden viele Unternehmen in den Bereichen Linoleum, Kork, Jute und Wolle gegründet. Im Jahre 1884 wurde die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei „Nordwolle“ gegründet. Auf über 13 Hektar schuf das Unternehmen gemeinsam mit Baufachleuten ein einheitliches Erscheinungsbild. Für Gutachten und Immobilienbewertungen ist der Baustil, die Lage und die Konstruktion der einzelnen Gebäude sehr interessant. In der Nähe dieser Fabrikanlage wurden viele soziale Einrichtungen erbaut, wie das Krankenhaus oder die Badeanstalt – das wird bei Wertermittlungen einbezogen. Nach Konkurs der Vereinigte Kammgarnspinnerei im Jahre 1981 ist dort nun das Fabrikmuseum. Das damalige Turbinenhaus mit seinen Rundbogenfenstern bietet auch Raum für Veranstaltungen und Ausstellungen. Das Stadtmuseum bietet mehrere Abteilungen im damaligem ersten Maschinenhaus. Im Rohwollelager von damals ist nun ein Veranstaltungszentrum, das historische Architektur mit modernen Elementen verbindet. Auf der Nordwolle entstand auch ein neuer Stadtteil, deren Häuser architektonische Details der ehemaligen Industrie aufgreift. Für Sachverständige für Immobilien ist zu beachten, dass neben modernen Wohnhäusern auch Kino, Supermärkte und Gastronomie stehen.

Delmenhorst hat aber noch vieles mehr zu bieten. In der Stadt steht das Rathauskomplex am Marktplatz. Es wurde 1912-1914 in Jugendstilformen errichtet und ist heute denkmalgeschützt. Zu diesem Komplex gehört auch der 44 Meter hohe Wasserturm. Mit 500 Kubikmeter Fassungsvermögen war der Wasserturm bis 2010 in Betrieb. Heute lockt das Wahrzeichen Besucher an. Über 200 Stufen gelangt man auf die Aussichtsplattform und kann den Panoramablick über Delmenhorst genießen. 1978 erfolgte die Höherlegung der Eisenbahnlinie und der Neubau des Bahnhofs. Nach dem Jahrhunderthochwasser 1998, wo die Delme über die Ufer stieg und die Innenstadt lief, wurde im südlichen Teil von Delmenhorst ein Rückhaltebecken gebaut was Hochwasser in Zukunft verhindern soll.